8. Mai Stade


  Menschen gedenken Menschen

Blumen für die Opfer des Nationalsozialismus

Gedenken zum 8. Mai

Blumen an Gräbern der Kriegsgefangenen niederlegen


Von Björn Vasel


LANDKREIS. Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Kreis Stade: 35 Bürger rufen auf, am heutigen Mittwoch, 8. Mai, dem 74. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, Blumen an den Gedenkstätten und an den Gräbern von Opfern des Nationalsozialismus niederzulegen.


„Wir wollen in diesem Jahr vor allem an die sowjetischen Kriegsgefangenen erinnern, deren Gräber zwar noch vorhanden, deren Namen aber allzu oft unbekannt sind“, sagt Michael Quelle von Rosa Luxemburg Club Niederelbe aus Stade. Gräber von (bislang) unbekannten Kriegsgefangenen aus der früheren UdSSR finden sich auf den Friedhöfen von Balje, BuxtehudeAltkloster (Jüdischer Friedhof), Dollern und Estorf-Gräpel sowie Stade-Wiepenkathen.


Um 18 Uhr wollen die Bürger in Buxtehude (Friedhof Ferdinandstraße) und in Stade (Camper Friedhof) Blumen niederlegen. Die 35 Bürger, unter ihnen sind unter anderem der Buxtehuder Musiker Harald Winter (Attac) und Lemar Nassery von der GEW, hoffen, dass viele Mitbürger ihrem Beispiel folgen und heute und in den nächsten Tagen auch anderenorts Blumen niederlegen.


In Assel, Burweg-Bossel, Buxtehude (Ferdinandstraße), Buxtehude (Stader Straße), Drochtersen, Fredenbeck-Helmste, Fredenbeck-Klein Fredenbeck, Fredenbeck-Schwinge, Freiburg, Hammah-Groß Sterneberg, Harsefeld (Oberer Friedhof), Hagenah, Hollern-Twielenfleth, Horneburg (Alter Friedhof), Borstel, Estebrügge, Kranenburg, Krummendeich, Neuenkirchen, Nottensdorf, Oederquart, Stade-Bützfleth, Stade-Campe, Stade (Garnisonsfriedhof) und Steinkirchen wurden Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiter oder ihre Kinder von 1939 bis 1945 begraben oder verscharrt – oftmals am Rande des Friedhofes.

Viele Kriegsgefangenen aus der UdSSR


Der Arbeitsamtsbezirk Stade verzeichnete am Kriegsende rund 7000 Zwangsarbeiter und etwa 1000 Kriegsgefangene. Viele der Kriegsgefangenen stammten aus der UdSSR. Diese waren an der Unterelbe ab Oktober 1941 nicht nur in dem „Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager (Stalag g X B) in Sandbostel interniert, sondern mussten zum Teil auch in einem der mehr als 1100 Arbeitskommandos im gesamten Elbe-Weser-Dreieck in Fabriken und in der Landwirtschaft arbeiten; sie wurden völkerrechtswidrig behandelt und drangsaliert.


Tausende starben an Misshandlungen, Hunger, Seuchen und Erschöpfung oder wurden „wegen Arbeitsverweigerung“ wie Dmitry Semenov (†24) am 6. Dezember 1944 in Buxtehude erschossen. Weitere Russen aus dem Arbeitskommando 63 starben am 18. Juni 1944 beim Bombenangriff auf das Lager am Alten Postweg. Sie bauten Motoren für U-Boote in der Maschinenfabrik Kröhnke.


Auf dem Alten Friedhof in Wiepenkathen liegen vier unbekannte sowjetische Soldaten, lediglich von einem der vier ist ein Name, Iwan Seereew-Muinik, überliefert. Letzterer wurde laut Zeitzeugen im Jahr 1942 im Dorf erschossen – und in einer Sandkuhle in Wiepenkathen verscharrt. In einem Brief an die Stadtverwaltung (1947) und in der Sterbeurkunde von 1950 (Todesursache: unbekannt) wird das verschwiegen. Die zur Zwangsarbeit verpflichteten Kriegsgefangenen waren unter anderem in einem Lager in der Gaststätte Abel (Wiepenkathen) und (wie der Erschossene) im Lager Perlberg (Haddorf) untergebracht.


Das Sammelgrab ist erhalten. Das Grab des Zwangsarbeiterkindes Theresia Kikinski (27. Juni 1944 - 16. April 1945) aus Stade, es lag rechts oder links davon, wurde 1959 aufgrund einer unrechtmäßigen Verfügung des Regierungspräsidenten eingeebnet. Wortlaut der Order: „Das Grab ist als Kriegsgrab zu streichen, da es sich um das Kind eines ausländischen Arbeiters handelt.“ Wenn es nicht überbettet wurde, könnte es wieder in die Kriegsgräberliste aufgenommen werden. Wer etwas über die Lage weiß, kann sich unter 0 41 41 / 6 88 16 bei Quelle melden.

Sie unterstützen den Aufruf zum 8. Mai


Wir regen an, aus Anlaß des 8. Mai 2019, dem 74. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus, Blumen an den Gedenkstätten und an den Gräbern von Opfern des Nationalsozialismus niederzulegen.


    Rainer Auf’m Kampe (Buxtehude)

    Sabine Bolius (Stade)

    Debbie Bülau (Aspe)

    Michael Byl (Stade, Rosa Luxemburg Club Niederelbe)

    Angelika Christian (Stade)

    Ulrich Christian (Stade)

    Bettina Dankers (Stade)

    Holger Dankers (Stade, Stadtratsabgeordneter)

    Bernd Freydanck (Stade)

    Silke Hemke (Stade)

    Ulrich Hemke (Stade)

    Karl-Heinz Holst (Ahlerstedt, Samtgemeinderats- und Kreistagsabgeordneter)

    Tristan Jorde (Stade)

    Heiko Kania (Harsefeld, Fleckenratsmitglied, ehrenamtlicher Mitarbeiter des SG-Archivs)

    Harald Kaiser (Stade)

    Kristin Kehr (Stade)

    Cornelia Kenklies (Stade)

    Richard B. Klaus (Stade, Kreistagsabgeordneter)

    Susanne Koch (Buxtehude)

    Benjamin Koch-Böhnke (Buxtehude, Stadtrats- und Kreistagsabgeordneter)

    Karina Krell (Stade, GEW Kreisverband)

    Hermann König (Hipstedt)

    Oliver Kogge (Stade, Rosa Luxemburg Club Niederelbe)

    Bodo Koppe (Hemmoor)

    Klemens Kowalski (Buxtehude, Stadtratsabgeordneter)

    Uta Kretzler (Buxtehude, Rosa Luxemburg Club Niederelbe)

    Heiko Malinski (Stade)

    Mona Paschedag (Hammah)

    Udo Paschedag (Hammah)

    Lemar Nassery (Stade, GEW Kreisverband)

    Michael Quelle (Stade)

    Frank Rutkowski (Stade)

    Dörte Schnell (OMAS GEGEN RECHTS Stade)

    Silvia Steffens (Stade, Rosa Luxemburg Club Niederelbe)

    Walter Tauber (wiki Stade)

    Harald Winter (Buxtehude, attac)


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